Home  •  Impressum  •  Datenschutz

Orkantief »Christian» vom 28.10.2013


Bei dem Orkantief »Christian« handelte es sich um eine Shapiro-Keyser Zyklone. Bei dieser Form der Zyklone entwickelt sich keine Okklusionsfront. Die Kaltfront erreicht die Warmfront nicht und stattdessen dreht sich die Warmfront um den Tiefkern herum. In dem Bereich hinter der Kaltfront und der eingedrehten Warmfront liegt der Dryslot, ein schmales Gebiet mit besonders in der mittelhohen Tropophäre sehr trockener Luft, das für Wolkenauflösungen sorgt.

Die sich um den Tiefkern wickelnde Warmfront dringt langsam in das Gebiet des Dryslots ein. Der Niederschlag verdunstet in der trockenen Luft, wobei diese sich abkühlt. Die abgekühlte Warmluft wird nach unten beschleunigt. Durch diese Abwinde können Teile des Höhenwindes bis zur Oberfläche verfrachtet werden. In dem Gebiet zwischen der Kaltfrontrückseite und der sich um den Tiefkern wickelnden Warmfront bildet sich der sogenannte Sting Jet aus. Im Bereich des Sting-Jets können erheblich höhere Windgeschwindigkeiten auftreten, als es normalerweise vom Druckgradienten her möglich wäre.



Entwicklung im Satellitenbild (NOAA)

christian1.jpg

27.10.13, 03.56 UT (IR)

christian2.jpg

27.10.13, 21.23 UT (IR)

christian3.jpg

28.10.13, 11.59 UT (IR)

christian3vis.jpg

28.10.13, 11.59 UT (VIS)

christian4.jpg

28.10.13, 19.22 UT (IR)

christian5.jpg

29.10.13, 01.53 UT (IR)

Quelle: NOAA quicklooks from NEODAAS/University of Dundee



Die Entwicklung in der Bodenkarte

christian1.gif

Analyse vom 27.10.13, 00.00 UT

christian2.gif

Analyse vom 27.10.13, 06.00 UT

christian3.gif

Analyse vom 27.10.13, 18.00 UT

christian4.gif

Analyse vom 28.10.13, 00.00 UT

christian5.gif

Analyse vom 28.10.13, 12.00 UT

christian6.gif

Analyse vom 28.10.13, 18.00 UT

christian7.gif

Analyse vom 29.10.13, 00.00 UT

christian7.gif

Analyse vom 29.10.13, 06.00 UT

Quelle der Karten: Wetterzentrale
Bearbeitung: Mario Lehwald



Die Windgeschwindigkeiten

Aufgrund des Sting-Jets, der genau über Schleswig-Holstein zog, nahm der Wind am Nachmittag rapide zu und die Orkanböen trafen mit voller Wucht die Stadt. Die stärksten Böen wurden an der Nordseeküste gemessen. Helgoland und Borkum hatten Windspitzen von 191 km/h! In Schleswig waren es noch 155 km/h, in Flensburg wurden 133 km/h gemessen und auf dem Flugplatz Hohn 137 km/h.



Beobachtungen und Bilder vom 28. Oktober 2013

Am frühen Nachmittag des 28. Oktober 2013 war ein Sturm angekündigt. Ich machte zu Hause einige Fotos von den schnell ziehenden tiefen Wolken und mußte anschließend einige Dinge in der Stadt erledigen.


christian01.jpg

Kurz vor dem Sting-Jet gegen 14.22 MEZ (Blick nach Westen)
© Mario Lehwald


christian02.jpg

Kurz vor dem Sting-Jet gegen 14.22 MEZ (Blick nach Norden)
© Mario Lehwald


Bei der Sparkasse in Suchsdorf fiel mir die rapide Zunahme des Windes auf und auf einmal kamen sehr heftige Böen auf. Anschließend gab es etwas in Kiel zu erledigen und auf dem Rückweg nach Hause fielen mir am Marinestützpunkt zahlreiche große Äste auf, die auf der Strasse lagen. Dort begann ich mit den ersten Fotos. An der Kieler Förde herrschte starkes Niedrigwasser und die Sicht auf die freie Ostsee war durch Gischt nicht mehr möglich.


christian03.jpg

Orkanböen über der Kieler Förde
© Mario Lehwald


christian04.jpg

Niedrigwasser an der Kieler Förde
© Mario Lehwald


christian05.jpg   christian06.jpg

Die ersten Schäden an der Kieler Förde
© Mario Lehwald


christian07.jpg

Baumschäden an der Kieler Förde
© Mario Lehwald


Nach den ersten Fotos an der Kieler Förde ging es langsam weiter. Im Steenbeker Weg lagen viele Bäume auf dem Gehweg. Mit solchen Schäden habe ich nicht gerechnet, vor allem weil ich durch meine Erledigungen in der Stadt von dem stärksten Teil des Sturmes wenig mitbekommen habe.


christian08.jpg

Baumschäden am Steenbeker Weg
© Mario Lehwald


christian09.jpg

Baumschäden am Steenbeker Weg
© Mario Lehwald


christian10.jpg

Noch immer ist Sturm, wenn auch langsam abnehmend
© Mario Lehwald


christian11.jpg   christian12.jpg

Baumschäden am Steenbeker Weg
© Mario Lehwald


Nach dem Essen wurde nicht lange gewartet und eine weitere Fahrt gestartet. Der Sturm hatte mittlerweile wieder abgenommen und in Suchsdorf sah ich weitere Schäden. Auf der Hochbrücke wurden einige Fotos vom Abendhimmel gemacht. Tief im Westen waren flache Schauer-Cumulonimben zu sehen.


christian13.jpg

Baumschäden in Suchsdorf
© Mario Lehwald


christian14.jpg

Abendhimmel bei abnehmenden Sturm
© Mario Lehwald


christian15.jpg

Flache Schauer-Cumulonimben im Nordwesten
© Mario Lehwald


christian16.jpg

Abendhimmel bei abnehmenden Sturm
© Mario Lehwald


Anschließend ging es weiter über den Kanal. Dort kamen aus Westen tiefe Stratocumuluswolken herangezogen, die rasch den Himmel überzogen.


christian17.jpg

Stratocumulus am Abend nördlich von Kiel
© Mario Lehwald

© Copyright: 1998-2024 Mario Lehwald
www.seewetter-kiel.de