In den 90er Jahren ging es rasch voran. Es kam das erste Barometer, wetterkundliche Lehrmittel vom Deutschen Wetterdienst und ich begann viele Wolkenfotos auf Dias zu machen.
Vom 18. bis 19. September den kompletten Durchzug eines Tiefs fotografiert. Am Abend des 18. September zog rasch die Warmfront heran, am nächsten Tage war es im Warmsektor bedeckt mit tiefen Wolken. Ich erwartete die Kaltfront; am Nachmittag begann Regen. Erst als das Wolkenband am Abend im Westen abriß, war mir klar das die Kaltfront gerade durchgezogen ist.
Aufzug der Warmfront am 18. September 1990 (links)
Abzug der Kaltfront am 19. September 1990 (rechts)
Ich leistete meinen Wehrdienst bei der Bundeswehr im Fernmeldebataillon 6 in Neumünster. Im Februar 1991 gab es eine längere Periode mit Kälte und Schnee. Zu Hause entstanden einige Winterfotos.
Ansonsten galt mein Interesse in dieser Zeit überwiegend astronomischer Dinge und Leuchtenden Nachtwolken, die ich erstmals am 11. Juli 1991 sah. Fotografisch stieg ich auf Dias um.
Am 20. September 1991 hatte ich mir den Wolkenatlas von Gerrit De Bont zugelegt, den ich schon im Herbst 1988 so oft in der Buchhandlung angesehen hatte. Nun hatte ich ihn endlich selber!
Von Juni bis Oktober 1992 war ich in einem Fotogeschäft in Kiel tätig, wo ich Rabatte bekam. Ich probierte in dieser Zeit oft den Diafilm Agfa 50 RS aus, der mit seinem feinen Korn gute Wolkenaufnahmen machte. Auch machte ich immer öfter verschiedene Wolkenaufnahmen auf Dias.
Am 1. August 1992 gab es ein besonderes Erlebnis: Es war heiß und schwül und am späten Abend streifte uns eine kleine aber heftige Gewitterzelle. Ich war im Sessel eingeschlafen und schreckte plötzlich nach Mitternacht von einem Knall hoch und sah Linienblitze Richtung Nordosten. Ich ging raus und konnte die Gewitterzelle als ganze Wolke sehen. Nach Norden fiel mir ein aufgehellter Himmel auf und so fuhr ich zur Levensauer Hochbrücke und sah Richtung Norden ein Feuer. Zufällig traf ich dort noch einen Sternfreund, der mich vom Namen her sogar kannte. Gemeinsam fuhren wir zu dem Brand in Knoop, wo der Blitz eingeschlagen hatte.
Am 24. August 1992 legte ich mir das Buch "Wetterkunde für alle" von Günter D. Roth zu.
Als Wetterinformationen stand mir damals nur die Zeitungswetterkarte zur Verfügung. Bei interessanten Wetterlagen sammelte ich diese und auch aktuelle Zeitungsberichte. Das Abonnieren der ausführlichen Wetterkarte vom Deutschen Wetterdienst kam für mich wegen der Kosten nicht in Frage.
Ab Januar 1993 durfte ich die damals noch neue Videocamera meiner Eltern benutzen, womit ich viele Dinge wie Wolkenentwicklungen oder ganze Serien beim Durchzug von Tiefdruckgebieten aufnahm.
Zu erwähnen ist noch der wirklich heftige Orkan Verena vom 13. Januar 1993. In den Nachrichten wurde zwar vor Sturm gewarnt, aber mir kam es schon komisch vor, daß der Südwind am Abend schon volle Sturmstärke erreichte! Ich wußte schon damals, daß der Sturm auf der Rückseite des Tiefs meist nochmal erheblich zulegt. Später begann das Licht im Hause zu flackern und es brach ein Getöse los, was ich so noch nie erlebt habe. Ich versuchte im Dunkeln an der Haustür mit der Videocamera zu filmen. Rausgehen erschien mir zu gefährlich.
Im Juni 1993 bekam ich zwei neue Zimmer. Eines wurde Wohn-, das andere Arbeitszimmer. Ich las viel in dem neuen Buch "Das Wetter von Morgen", was eigentlich mehr für Segler bestimmt war. Darin erfuhr ich eine Menge weiterer Dinge, z. B. das bei einem starken Isobarenknick an einer Front diese meist besonders aktiv ist. Dabei lief oft die CD "In Scotland" von James Last.
Gleichzeitig gab es eine neue Auflage des BLV-Buches "Wolkenbilder und Wettervorhersage", welche ich mir ebenfalls zulegte. In diesem fand ich auch einen Hinweis dafür, warum eine Kaltfront nicht immer Schauer und Gewitter bringt. Ich erfuhr, daß im Winterhalbjahr die Luft an Kaltfronten stabiler geschichtet ist als im Sommer, womit es auch hier nur zu Regen wie an der Warmfront kommt!
Das neue Barometer (links)
Cumulonimbus am 16. Oktober 1993 von der Levensauer Hochbrücke (rechts)
Im Oktober 1993 kaufte ich ein Barometer und konnte nun endlich auch den Luftdruck genau beobachten. Schon bald pflasterte ich die Wände des Arbeitszimmers mit selbstgemachten Wolkenbildern zu. Im Wohnzimmer blieben Bilder astronomischer Motive bestehen.
In dem Buch "Das Wetter von Morgen" erfuhr ich, wie man einfache Wetterkarten nach den Stationsmeldungen des Seewetterberichtes für Nord- und Ostsee zeichnet. Das probierte ich im Mai 1994 selber aus - zunächst auf der Kopie einer leeren Wetterkarte, die ich mir aus dem Buch machte.
Da die Kopien aus dem Buch stark gezoomt und daher qualitativ sehr schlecht waren, bestellte ich mir im Juni 1994 beim Deutschen Wetterdienst Vordrucke für das Zeichnen der Bordwetterkarten sowie eine Menge wetterkundlicher Lehrmittel.
Beispiel einer selbst gezeichneten Wetterkarte
nach den Stationsmeldungen des Seewetterberichtes
Da ich in dieser Zeit eine Dauerspätschicht hatte, nahm ich nachts um 1 Uhr oft den Seewetterbericht vom Deutschlandfunk auf, trug die Stationsmeldungen in den Vordruck ein und zeichnete anschließend die Isobaren, was nicht immer einfach war, weil es einfach zu wenig Meldungen waren.
Am 11. Juni 1994 wurde mir aus dem nur kurz abgestellten Fahrzeug auf der Levensauer Hochbrücke eine Reisetasche geklaut, worin sich leider auch die Ricoh KR 10 mit zwei Objektiven befand. Da die Kamera zum Standard gehörte mußte also Ersatz her und ich besorgte mir eine Pentax P 30. Ein 28 mm Weitwinkel- und ein 135 mm Teleobjektiv folgten später gebraucht.
Im August und September 1994 gab es viele Tage mit Höhenkaltluft und Schauern, wo ich viele Fotos machte. Am 10. September 1994 fotografierte ich einen besonders prachtvollen Cumulonimbus.
Kaltluft-Cb am 13. August 1994 (links)
Prächtiger Kaltluft-Cb am 10. September 1994! (rechts)
Im Oktober 1994 bestellte ich mir beim Deutschen Wetterdienst den umfangreichen und guten WMO-Wolkenatlas, der allerdings sehr teuer war. In diesem waren viele hilfreiche Bilder, da ich zu dieser Zeit öfter einmal Probleme mit schwierigen Fällen von Altocumulus und Stratocumulus hatte.
Es fehlten noch aktuelle Satellitenbilder, besonders an Tagen wo heftige Stürme bei uns waren! Anfang 1995 konnte ich von dem damaligen Vorsitzenden der GvA-Kiel, wo ich Mitglied war, Satellitenbilder bekommen, da dieser Zugriff auf das Internet hatte. So fuhr ich einige Male zu ihm und suchte mir Bilder von vorher überlegten Tagen heraus.
Das Arbeitszimmer des Autors im April 1995
Damals noch etwas chaotischer, heute befindet sich hier eine große Arbeitsfläche
samt Basteltisch und darüber Wandregale.
In der Nacht auf den 17. Februar 1995 zog ein sich entwickelndes Sturmtiefs heran und brachte Regen. Gegen 5.20 Uhr wurde es plötzlich sehr laut draußen. Was war das? Ich sah hinaus und ein Graupelsturm fegte über das Land. Ich nahm sofort die Videocamera und filmte los. Mir war klar daß das die Kaltfront war!
Anfang 1995 kam ich auch zu meinem eigenen Internetzugang. Mit diesem und einen 28,8er Modem (!) konnte ich mir nun jederzeit selber aktuelle Satellitenbilder ansehen - eine wirklich tolle Sache; sieht man auf den Satbildern doch gut, was auf einem zukommt!
Starke Wärmegewitter am Abend des 9. Juli 1995 (links)
Böenwalze am 12. Juli 1995 (links)
Am 9. Juli 1995 fielen mir am Abend nach einen warmen Tag Richtung Süden massiv aufquellende Cumuluswolken auf. Kurz darauf wurden diese zu Cumulonimben und ein starkes Gewitter mit Starkregenschauer setzte ein. Vorher machte ich einige Blitzaufnahmen, wovon eine sehr gut wurde, weil man auf dieser die gesamte Gewitterzelle sah! In den Kieler Nachrichten gab es am 11. Juli einen Artikel mit dem Titel "Schwere Gewitter über Kiel", den ich natürlich in meinem Ordner einklebte.
Am 12. Juli 1995 war es nachmittags beim Heranzug einer Okklusion sehr warm. Im Rundfunk wurden Unwetterwarnungen ausgerufen mit der Bemerkung, daß es für die Versicherungen wohl ein teurer Mittwochabend wird. Später zog eine Böenlwalze heran, die aber trocken rüberzog. Anschließend sah ich nach Südwesten und Süden sich entwickelnde Cumulonimben in einem unheimlichen orangefarbenen Licht und dachte die Unwetter entwickeln sich noch. Dem war aber nicht so. Die Cumulonimben verschwanden später es kam nichts...
Am 14. März 1996 bestellte ich mir von der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft den Meteorologischen Kalender 1996.
Irgendwann in dieser Zeit fand ich auch die Wetterzentrale von Georg Müller, wo ich zusätzlich viele aktuelle Wetterkarten bekam.
So sah die Wetterzentrale von Georg Müller früher aus...
Im Oktober 1996 fand ich die Bodendruckkarten von Bracknell und benutzte diese seitdem fast täglich. Die Qualität war damals allerdings noch schlecht.
Satellitenbilder und Wetterkarten aus dem Internet begann ich ebenfalls zu archivieren, da man aus vergangenen Wetterentwicklungen nur lernen kann! Es ist immer wieder eindrucksvoll, die Entwicklung der gewaltigen Wolkenwirbel der Tiefdruckgebiete auf den Satbildern zu verfolgen!
Im April 1997 fand ich die NOAA-Satellitenbilder aus Frankreich, die gerade eben noch Schleswig-Holstein zeigten.
Seit 1995 gehören Wetterkarten und Satellitenbilder zum Alltag
Am 12. Juni 1997 legte ich mir das Taschenbuch "Praktische Wetterkunde" von Rolf Mangelsen aus dem Kosmos-Verlag zu. Besonders eindrucksvoll fand ich die Bilder eines Schlechtwetteraufzuges aus Schleswig, wo sich zerfetzter Stratocumulus verdichtete.
Mittlerweile stapelten sich die Diamagazine im Schrank des Arbeitszimmers. Es waren sehr viele Dias verschiedener Wolkenarten sowie auch ganze Fotoserien beim Durchzug von Kaltfronten, Warmfronten, Trögen usw. entstanden. Die Bemerkungen anderer wozu man etwas fotografiert, was man doch sowieso jeden Tag sieht, oder warum man für so etwas sinnlos die Filme verschießt, störten mich wenig. Schließlich wußte ich was ich tat!
Am 8. Oktober 1997 legte ich mir das kleine Buch "Wie wird das Wetter morgen?" von A. Hermant zu. Es war vor allem auf Gewitter orientiert mit vielen Wolkentafeln.
Am 10. Oktober 1997 zog das Orkantief Wanda über Dänemark. Nachmittags habe ich den aufkommenden Stratocumulus fotografiert. Abends kamen dann Schauer mit Orkanböen auf, die ich gefilmt habe.
Im Herbst 1998 trat ich der Gemeinschaft deutscher Hobbymeteorologen (GdHM) bei, von der ich von einer Bekannten erfahren habe.
Gleichzeitig habe ich, erstmal nur zur Übung, eine einfache Webseite mit meteorologischen Links aufgebaut. Durch den Eintritt in die GdHM bekam ich sogar 5 Megabyte Speicherplatz für eine Wetterseite zur Verfügung gestellt! Ich erweiterte meine Seite, gab ihr den Namen "Hobbymeteorologie aus Kiel" und stellte sie Anfang Januar 1999 auf dem Internetserver der GdHM Online.
Die erste Homepage im Januar 1999
Vom 23. bis 29. Oktober 1998 gab es eine Sturmtiefserie, die auch in Schleswig-Holstein mit sehr viel und langanhaltenden Regen verbunden war und zu Überschwemmungen führte. Ich sah mir täglich die Satellitenbilder aus Frankreich an und speicherte diese ab.
Die erste Version meiner Homepage habe ich noch mit StarOffice gemacht. Weil StarOffice mir immer den HTML-Code für den eingebundenen Counter zerlegte, ging ich langsam dazu über, den Quellcode selbst mit einem Texteditor zu bearbeiten und später selbst zu schreiben. So konnte ich gut Tabellen verschachteln und damit ein besseres Layout machen.
Im Mai 1999 gab es erstmals ein Forum in der Wetterzentrale. Ich weiß nicht mehr, wann ich dieses genau entdeckt habe, aber nachdem ich es kannte sah ich dort sehr oft hinein, denn hier gab es viele interessante Fragen, die sachlich beantwortet wurden und aus denen ich viel dazulernen konnte!
Im Mai und Juni 1999 bin ich einige Mal morgens zum Leuchtturm
Bülk gefahren, um den Sonnenaufgang über der Ostsee zu fotografieren.
Dazu hab ich eine Diaserie angefertigt, um das Musikstück von Claude Debussy
"Vom Morgengrauen bis zum Mittag auf dem Meer" zu bebildern. Tagsüber
habe ich als Ergänzung einige Fotos an der Steilküste gemacht.
Ein Ereignis ist noch erwähnenswert, nämlich der Orkan "Anatol" am 3. Dezember 1999! Ich lud mir alle Wetterkarten und Satellitenbilder aus dem Internet herunter und erstellte zu diesem heftigen Orkan einen Bericht, den ich auf meine Homepage brachte. Am 26. Dezember 1999 folgte dann der Orkan "Lothar", der allerdings in Frankreich und Süddeutschland getobt hatte. Auch zu diesem erstellte ich einen Bericht.