Die Karte zeigt exakt den Anblick des Sternhimmels am 15. Juli gegen 22 Uhr MEZ für die geografische Breite von Kiel. Die Karte ist aber in ganz Deutschland verwendbar da die Veränderungen am Himmel nur wenige Grad ausmachen. Auch wenn Sie ein oder zwei Stunden später beobachten ist diese Karte noch anwendbar, da sich der Anblick des Sternhimmels dann noch nicht allzu stark verändert hat. Beobachten Sie aber deutlich später (z. B. weit nach Mitternacht), so wählen Sie hier die Karte aus, die Ihren Zeitpunkt am nächsten liegt!
Im Sommer wird es im Norden Deutschlands allerdings überhaupt nicht mehr richtig oder astronomisch dunkel. Die Abenddämmerung geht gleitend in die Morgendämmerung über. Selbst um Mitternacht (= 1 Uhr Sommerzeit!) ist am Nordhorizont eine starke Aufhellung zu sehen. Dies ist die sogenannte Mitternachtsdämmerung.
Im Südosten ist nun der prachtvolle Schwan zu finden, der inmitten der Milchstraße liegt und häufig auch als Kreuz des Nordens bezeichnet wird. Wer einmal mit einem Feldstecher den Schwan in dunkler mondloser Nacht durchmustert wird überwältigt sein von der Sternenpracht inmitten der Milchstraße! Im Schwan findet man auch den offenen Sternhaufen M 39, der schon in einem Feldstecher gut zu sehen ist. Der bekannte aber sehr schwache Nordamerikanebel hingegen ist nur bei dunkelsten Himmel und bester Durchsicht in einem lichtstarken Feldstecher zu erkennen.
Rechts neben dem Schwan zeigt sich das kleine Parallelogramm der Leier mit dem hellen Stern Wega. Wega ist 27 Lichtjahre von uns entfernt und gehört mit zu den vier hellsten Sternen am gesamten Himmel. Zwischen den beiden untersten Sternen des Parallelogramms der Leier findet man den berühmten Ringnebel in der Leier oder auch M 57. Unter der Leier finden wir den Adler mit dem hellen Stern Atair. Diese drei hellen Sterne bilden auch das große Sommerdreieck.
Hoch im Süden, ja fast im Zenit ist der Herkules zu finden. Er besteht allerdings aus etwas schwächeren Sternen. Trotzdem befinden sich im Herkules zwei der schönsten Kugelsternhaufen am nördlichen Himmel! Es sind M 13 und M 92. Mit einem Feldstecher sieht man sie als neblig runde Fleckchen. In einen kleinen Teleskop zeigen sie sich als zarte Lichtbälle, die sich zumindest in den Randbereichen in feine Sternchen auflösen. In Spiegelteleskopen ab 15 Öffnung bieten sie einen wahrhaft prachtvollen Anblick. Unter dem Herkules befinden sich die vielen schwachen Sterne des großen Sternbildes Schlangenträgers. Auch in diesem Gebiet gibt es einige Kugelsternhaufen. Zwischen Schlangenträger und Adler finden wir das kleine Sternbild Schild, in dem der schöne Sternhaufen M 11 zu finden ist.
Ganz tief im Süden sind bei guter Sicht noch der Schütze und der Skorpion auszumachen. Auf einen erhöhten Standort oder an der See wird man diese Sternbilder auch bei uns im Norden noch gut sehen können, wenn der Horizont vollkommen frei ist. Vom Skorpion ist in Mitteleuropa aber nur der obere Teil zu sehen. Hier ist besonders der rötlich leuchtende Stern Antares auffällig, ein roter Riesenstern. Tief im Südwesten ist das Sternbild Waage zu sehen.
Im Schützen liegt auch das Zentrum der Milchstraße die hier auch am hellsten strahlt. Nur durch die sehr tiefe Stellung haben wir manchmal nicht unbedingt diesen Eindruck. Überhaupt ist die Sommermilchstraße erheblich leuchtstärker als die Wintermilchstraße. Das kommt daher weil wir im Sommer zum Zentrum unserer Milchstraße blicken, und quasi durch die volle Dicke dieser gewaltigen Sternenscheibe hindurchschauen, wo wir natürlich auf sehr viele Sterne sowie Gas- und Staubmassen schauen, die weiter in der Ferne zu einem leuchtenden schmalen Band am Himmel verschmelzen.
Die Frühlingssternbilder haben sich alle nach Westen verschoben und stehen vor ihrem Untergang. Nur der Bootes ist noch gut zu sehen. Jungfrau und Löwe werden aber bald unter dem Horizont sinken. Auch der große Wagen neigt sich nun wieder dem Horizont entgegen und seine Deichsel zeigt jetzt steil nach oben.
Tief im Osten erkennt man schon die ersten Herbststernbilder: Die Sternenkette der Andromeda und das große Viereck des Pegasus. Tief im Norden leuchtet übrigens noch ein auffällig heller Stern - es ist die Capella im Sternbild Fuhrmann. Der Stern Capella steht dem Himmelsnordpol so nahe, daß er bei uns auch im Sommer nicht untergeht - er ist zirkumpolar wie man sagt.
Im Gegensatz zu den Fixsternen bewegen sich die Planeten langsam am Himmel. Daher kann man sie in keine Sternkarte einzeichnen, die länger gültig sein soll! Die groben Positionen der Planeten am Himmel habe ich in der Rubrik Planeten in Tabellen zusammengestellt.
Wie bereits weiter oben schon erwähnt, wird es im Sommer im Norden Deutschlands nicht mehr richtig dunkel. Es ist die Zeit der hellen Nächte. Das Bild rechts zeigt den Nordhimmel gegen Ende Juni. Je weiter man nach Norden kommt, desto heller wird es nachts! Ab dem Breitengrad 66.5 Grad geht die Sonne nachts gar nicht mehr unter und scheint 24 Stunden lang! Dieses Phänomen ist auch als Mitternachtssonne bekannt.
Das kommt daher weil die Erdachse um 23.5 Grad gegen ihre Umlaufbahn um die Sonne geneigt ist. Diese Neigung ist auch der Grund für die Jahreszeiten. Wenn bei uns Sommer ist, dann ist die Nordhalbkugel der Erde der Sonne zugewandt. Dadurch fallen die Sonnenstrahlen relativ auf die Erdoberfläche. Ein kleines Gebiet um den Nordpol herum, genauer ab dem Breitengrad 66.5 Grad, wird dabei Tag und Nacht von der Sonne beleuchtet - hier sinkt die Sonne nie unter dem Horizont und scheint 24 Stunden - und das ein halbes Jahr lang (Polartag).
Im Winter ist es umgekehrt: Dann ist die Südhalbkugel der Erde der Sonne zugewandt, wir haben Winter und ab dem Breitengrad 66.5 Grad geht die Sonne nicht mehr auf! Dort herrscht dann ein halbes Jahr lang ewige Nacht (Polarnacht).
Damit es vollständig dunkel ist, muß die Sonne nachts mindestens 18 Grad tief unter dem Horizont stehen (astronomische Dämmerung). Dieser Zustand wird im Sommer bei uns nicht mehr erreicht. Wir wissen jetzt, das die Sonne im Sommer ab dem Breitengrad 66.5 gar nicht mehr untergeht. Ziehen wir von den 66.5 Grad die geografische Breite des eigenen Beobachtungsortes ab, dann erhalten wir den tiefsten Sonnenstand um Mitternacht gegen Ende Juni!
Kiel hat z. B. die Breite 54.3 Grad - ziehen wir von 66.5 Grad 54.3 Grad ab, das ergibt dann 12.2 Grad! In Kiel steht die Sonne gegen Ende Juni selbst um Mitternacht 12.2 Grad unter dem Horizont. Daher ist es hier nachts auch noch so hell. Erst ab dem Breitengrad 48.5 erreicht die Sonne im Sommer um Mitternacht die 18 Grad unter dem Horizont - das ist etwa ab Österreich.
Diese starke Aufhellung des Himmels macht die Beobachtung schwacher Objekte wie Nebel und Galaxien unmöglich. Dafür kann man hier im Sommer ab und zu mal Leuchtende Nachtwolken beobachten. Unbeeinflußt von dem hellen Himmel kann man aber die Planeten, Doppelsterne und den Mond beobachten.
|
|
Sie beobachten zu einer anderen Uhrzeit?